Braga ↔ Lissabon
Eine der bedeutenden Nord-Süd-Verbindungen führte von Bracara Augusta in Richtung Olisipo. Archäologische Spuren und Meilensteine dieser Route sind unter anderem im Raum Maia erhalten.
Auf der Karte wirken Portugals Straßennummern zunächst wie ein Buchstabensalat. Doch hinter A, IP, IC, EN und ER steckt ein System. Wer es einmal verstanden hat, erkennt schon an der Nummer, welche Art von Weg vor ihm liegt.
Das ist der Punkt, an dem Portugals Straßennetz für viele Besucher zunächst verwirrend wird. Eine Strecke kann zum Beispiel als A2 ausgeschildert sein und gleichzeitig Teil des IP1 sein.
Der Grund ist einfach: Die Bezeichnungen beschreiben nicht immer dasselbe. A steht für die Bau- und Verkehrsform als Autobahn. IP oder IC beschreiben dagegen die Aufgabe einer Strecke im nationalen Straßennetz.
Ein Stück Straße kann also gleichzeitig Autobahn und Teil einer übergeordneten nationalen Verbindung sein. Zwei Bezeichnungen, aber nicht zwei verschiedene Straßen.
Zur Römerzeit gab es noch kein Portugal. Doch im Gebiet des heutigen Landes entstand ein dichtes Netz von Straßen. Es verband wichtige Städte, Verwaltungszentren, Rohstoffgebiete und Handelswege.
Diese Straßen waren weit mehr als Wege für Legionen. Sie gehörten zur politischen, wirtschaftlichen und administrativen Ordnung des Römischen Reiches. Menschen, Waren und Nachrichten sollten möglichst zuverlässig zwischen den großen Zentren zirkulieren.
Besonders eindrucksvoll ist Bracara Augusta – das heutige Braga. Von dort führten mehrere große römische Routen in verschiedene Richtungen. Das heutige Braga erinnert sogar mit einem Denkmal an die „Meile 0“ dieses Netzes.
Eine der bedeutenden Nord-Süd-Verbindungen führte von Bracara Augusta in Richtung Olisipo. Archäologische Spuren und Meilensteine dieser Route sind unter anderem im Raum Maia erhalten.
Diese Achse verband den Nordwesten des heutigen Portugal mit dem inneren Nordwesten der Iberischen Halbinsel. Aquae Flaviae entspricht dem heutigen Chaves.
Die in flavischer Zeit ausgebaute Via XVIII zählt zu den bekanntesten römischen Straßen Portugals. Auf ihrem Verlauf sind bis heute zahlreiche Meilensteine und andere archäologische Spuren erhalten.
Auch zur Hauptstadt der römischen Provinz Lusitania, Emerita Augusta – dem heutigen Mérida in Spanien – bestand eine bedeutende Verbindung.
Was bei den Römern als Netz zwischen Städten, Verwaltung und Handel begann, wurde über Jahrhunderte immer wieder verändert. Der moderne Straßenplan ist neu – die Idee, ein Land über starke Achsen zu verbinden, ist uralt.
Portugals Autobahnen. Getrennte Fahrbahnen, Anschlussstellen statt normaler Kreuzungen und für längere Strecken meist die schnellste Verbindung. Eine A-Straße kann mautpflichtig sein – muss es aber nicht.
Die wichtigsten nationalen Achsen. Sie verbinden große Zentren mit bedeutenden Häfen, Flughäfen und Grenzübergängen und bilden das Rückgrat des nationalen Netzes.
Wichtige ergänzende Verbindungen. Sie übernehmen vor allem regionale Verknüpfungen und wichtige Zufahrten in den Ballungsräumen von Lissabon und Porto.
Nationalstraßen führen häufiger durch Orte und Landschaften. Auf Karten und Schildern begegnet einem oft einfach das „N“ mit der Nummer – zum Beispiel die N125 an der Algarve.
Regionalstraßen ergänzen das nationale Netz. Sie dienen unter anderem Küsten-, Grenz- und touristisch wichtigen Räumen sowie Verbindungen zwischen mehreren Gemeinden.
Unterhalb des nationalen und regionalen Netzes beginnt die kommunale Ebene. Hier wird Portugal kleinteiliger: Ortsverbindungen, Stadtstraßen und Wege, die vor allem dem lokalen Verkehr dienen.
Die Via do Infante verbindet den Algarve von West nach Ost. Sie umgeht die meisten Orte und ist für größere Entfernungen meist die ruhigere und schnellere Wahl.
Die N125 verläuft ebenfalls durch den Algarve, liegt aber viel näher am Alltag. Kreisverkehre, Geschäfte, Zufahrten und Ortsbereiche gehören hier zur Strecke.
Portugal hat Autobahnen mit unterschiedlichen Betreibern und unterschiedlichen Mautregelungen. Deshalb sollte man nicht aus der Straßennummer allein schließen, ob eine Strecke kostenpflichtig ist.
Auf der A22 wurden die Gebühren zum 1. Januar 2025 abgeschafft. Sie ist damit derzeit eine mautfreie schnelle Ost-West-Achse durch den Algarve.
Die große Nord-Süd-Verbindung zwischen dem Raum Lissabon und dem Algarve enthält auch 2026 weiterhin mautpflichtige Abschnitte.
Die Autobahn zieht am Ort vorbei. Die Nationalstraße fährt mitten hindurch. Die eine spart Zeit. Die andere schenkt manchmal einen Umweg, einen Markt, ein Café oder einen Ort, den man vorher gar nicht kannte.
Genau deshalb gehört das Straßennetz zu Portugal & Meer: Es verbindet nicht nur Punkte auf einer Karte. Es entscheidet mit, wie wir ein Land erleben.
← Zurück zu Reisen & Meer